06.02.2017
Neue Operationsmethode bei Stuhlhalteschwäche
Die HELIOS Klinik Lengerich zählt bundesweit zu den ersten Kliniken, die den Einsatz eines magnetischen Schließmuskels anbieten.
Bei der Stuhlhalteschwäche (Inkontinenz) handelt es sich um die Unfähigkeit, die Stuhlentleerung selbst kontrollieren zu können. Die Symptome von Stuhlinkontinenz können vielfältig sein, von der Unfähigkeit Winde zurückzuhalten, über „stillen“ Abgang von Stuhl während alltäglicher Tätigkeiten oder körperlicher Betätigung bis hin zu akutem Abgang, so dass die Toilette nicht mehr rechtzeitig erreicht werden kann. Andere, den Darmtrakt betreffende Symptome wie Durchfall, Verstopfung und Bauchschmerzen können damit einhergehen.
Die Stuhlinkontinenz kann verschiedene Ursachen haben wie z.B. Verstopfung, Schädigung der analen Schließmuskulatur, Nervenschädigungen, Durchfälle und Verlust von Speicherkapazität im Enddarmbereich. „Ein wichtiger Faktor ist die Beckenbodensenkung mit zunehmendem Alter, die durch Dehnung von Muskeln und Nerven zu einer Schädigung des Verschlussmechanismus führt. Unterstützt wird diese Veränderung häufig durch starkes Pressen beim Stuhlgang, insbesondere bei Patienten mit gleichzeitiger Verstopfung“, erläutert Jurij Masej, Facharzt für Proktologie ( Enddarmerkrankungen )
Die Diagnose eines Schließmuskeldefektes kann einfach durch eine Ultraschall-Untersuchung und Schliessmusklelmessung mit einem Tonometriegerät erfolgen. In vielen Fällen ist durch eine Naht der Muskeln eine deutliche Besserung der Beschwerden zu erzielen. Der Einsatz des magnetischen Schließmuskels ist die optimale Behandlung bei Patienten mit schwerster Inkontinenz. Es handelt es sich um ein relativ neues Verfahren, welches erst von wenigen Kliniken in Deutschland angeboten wird.
Der Eingriff dauert max. eine Stunde und wird unter Vollnarkose durchgeführt. Der magnetische Schließmuskel besteht aus einem flexiblen Band von miteinander verbundenen Titanperlen mit Magnetkernen. Die magnetische Anziehungskraft zwischen den Perlen stärkt den körpereigenen Analschließmuskel, so dass das unerwartete Passieren von Stuhl unterbrochen wird. Die magnetische Anziehungskraft wird unterbrochen, um das willkürliche Passieren zuzulassen und wird gleich anschließend wieder hergestellt. „Dieser Mechanismus funktioniert sofort nach der OP, so dass die Kontrolle des Patienten komplett wiederhergestellt ist“, erläutert der Leiter des Kompetenzzentrums für Koloproktologie.
Die routinierte Anwendung dieser neuen OP-Methode erforderte ein spezielles Training, welches Dr. med. Faramaz Pakravan vom Coloproktologischen Zentrum Düsseldorf durchführte. Der Spezialist ist Schulungsmentor für die Implantation des magnetischen Schließmuskels. Die Darmchirurgen der HELIOS Klinik Lengerich wurden Anfang des Jahres von ihm geschult und bereits im December 2016 wurden die ersten beiden Patienten mit dem neuartigen Verfahren versorgt. „Unsere Möglichkeiten, Menschen mit Stuhlinkontinenz zu helfen, haben sich durch die revolutionäre Behandlungsmethode erheblich erweitert“, resümiert der Ärztliche Direktor Dr. Matthias Wankmüller.
Die mit dem körperlichen Beschwerden und Begleitumständen der Stuhlinkontinenz einhergehenden psychosozialen Belastungen sind vielfältig und können dazu führen, dass viele Menschen in ständiger Angst leben, entdeckt zu werden. Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl nehmen Schaden und führen zu Unsicherheit, Ängstlichkeit und Depressivität, aber auch Trauer, Wut und Ärger über das eigene Schicksal. Die Folge ist, dass viele Betroffene sich von ihrer Umwelt zurückziehen, sich isolieren, ihre sozialen Kontakte einschränken und es vermeiden, aus dem Haus zu gehen. Das Leben vieler wird leer und eintönig, trost- und inhaltslos.
„Daher ist es wichtig diesen „Teufelskreis“ zu durchbrechen, die Inkontinenz zu akzeptieren und Wege zu suchen, diese zu behandeln, um die eigene Lebensfreude zurückzuerobern. Der erste Schritt ist es, sich vertrauensvoll an seinen Hausarzt zu wenden“, rät Jurij Masej. Die anschließende Abklärung der Ursache durch einen Proktologen ermöglicht eine individuelle Behandlung, um die frühere Lebensqualität wieder herzustellen.

Dr. med. Faramaz Pakravan (Mitte) vom Coloproktologischen Zentrum Düsseldorf hat die Schulungen in Lengerich durchgeführt. Zu den ersten Operateuren zählten Dr. med. Matthias Wankmüller und Jurij Masej.
Zum Thema:
Jurij Masej leitet seit mehr als 30 Jahren die Proktologie an der HELIOS Klinik Lengerich. Diese Abteilung deckt die gesamte Krankheitsbildpalette der End- und Dickdarmerkrankungen ab und wurde zu Beginn des Jahres 2016 zum wiederholten Male zum Kompetenzzentrum für Koloproktologie ernannt.
Der Facharzt für Chirurgie und Proktologie ist Mitglied des Berufsverbandes der Coloproktologen Deutschland (BCD), der Deutschen Gesellschaft für Koloproktologie (DGK) und der chirurgischen Arbeitsgemeinschaft für Proktologie.
Jurij Masej hat von der Ärztekammer Westfalen-Lippe die volle Ausbildungsbefugnis für Proktologie erhalten. Damit ist die HELIOS Klinik Lengerich eine von nur zwei Kliniken im Kreis Steinfurt, die diese Befugnis erhalten hat. Junge Ärzte in Weiterbildung können in der Lengericher Klinik ihre volle Ausbildung zum Facharzt Proktologie absolvieren.
Zur HELIOS Kliniken Gruppe gehören 112 eigene Akut- und Rehabilitationskliniken inklusive sieben Maximalversorger in Berlin-Buch, Duisburg, Erfurt, Krefeld, Schwerin, Wuppertal und Wiesbaden, 72 Medizinische Versorgungszentren (MVZ), fünf Rehazentren, 18 Präventionszentren und 14 Pflegeeinrichtungen. HELIOS ist damit einer der größten Anbieter von stationärer und ambulanter Patientenversorgung in Deutschland und bietet Qualitätsmedizin innerhalb des gesamten Versorgungsspektrums. Sitz der Unternehmenszentrale ist Berlin.
HELIOS versorgt jährlich mehr als 4,7 Millionen Patienten, davon rund 1,3 Millionen stationär. Die Klinikgruppe verfügt insgesamt über rund 35.000 Betten und beschäftigt rund 71.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2015 erwirtschaftete HELIOS einen Umsatz von rund 5,6 Milliarden Euro. Die HELIOS Kliniken gehören zum Gesundheitskonzern Fresenius und sind Partner des Kliniknetzwerks „Wir für Gesundheit“.
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